
Göttinger |


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Literarische
Gesellschaft e.V.
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Zwischendurch - eine Viertelstunde lesen:
(mit öfter wechselnden Texten; schreiben
Sie uns Ihr Urteil?)
Auf nach Bremen!
Hier kommt ein
wichtiges Märchen, das wir nie ganz vergessen
sollten. Es handelt von schlecht behandelten Geschöpfen, die
keiner mehr bei sich haben wollte und die keine Zukunft mehr für
sich sahen. Aber dann kam einer, selbst betroffen sogar, und hat sie
auf ganz neue Überlebens-Gedanken gebracht.
Könnten die
hier geschilderten Tiere nicht auch vergleichbare
Menschen sein? Und dann ist die durchschlagende Wirkung des Werbe-Gags
zu bedenken: Die Gruppe heißt so, weil sie nur dieses attraktive
geographische Ziel hatte, dort aber wahrscheinlich nie angekommen ist,
denn sie zeigte sich unterwegs unerwartet mit einer ganz anderen
Lösung zufrieden –
das hinderte die Bürger von Bremen nicht,
so zu tun, als wären die unglücklichen Viecher bei ihnen an-
und untergekommen. So war das eben nicht; alle Bremer Andenken- stecker
mit der Vierergruppe sind ein Märchen.
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| Jacob
und Wilhelm Grimm: Die Bremer
Stadtmusikanten (Original)
Es hatte ein Mann
einen Esel, der schon lange Jahre die Säcke
unverdrossen zur Mühle getragen hatte, dessen Kräfte aber nun
zu Ende
gingen, so dass er zur Arbeit immer untauglicher ward. Da dachte der
Herr daran, ihn aus dem Futter zu schaffen. Aber der Esel merkte, dass
kein guter Wind wehte, lief fort und machte sich auf den Weg nach
Bremen: dort, meinte er, könne er ja Stadtmusikant werden.
Als er ein Weilchen fort gegangen war, fand er einen Jagdhund auf dem
Wege liegen; der jappte wie einer, der sich müde gelaufen hat.
„Nun, was jappst du, Pack-an?“ fragte der Esel. „Ach“, sagte der Hund,
„weil ich alt bin und jeden Tag schwächer werde, auch auf der Jagd
nicht mehr fort kann, hat mich mein Herr wollen totschlagen; da hab ich
Reissaus genommen. Aber womit soll ich nun mein Brot verdienen?“
„Weißt du was“, sprach der Esel, „ich gehe nach Bremen und werde
dort
Stadtmusikant. Geh mit und lass dich auch bei der Musik annehmen: Ich
spiele die Laute, und du schlägst die Pauken.“
Der Hund war’s zufrieden, und sie gingen weiter. Es dauerte nicht
lange, so saß eine Katze an dem Weg und machte ein Gesicht wie
drei
Tage Regenwetter.
„Nun, was ist
dir in die Quere gekommen, alter Bartputzer?“ fragte der
Esel.
„Wer kann da lustig sein, wenn’s einem an den Kragen geht“, antwortete
die Katze. „Weil ich nun zu Jahren komme, meine Zähne stumpf
werden und
ich lieber hinter dem Ofen sitze und spinne, als nach Mäusen
herumjage,
hat mich meine Frau ersäufen wollen. Ich habe mich zwar noch
fortgemacht, aber nun ist guter Rat teuer: Wo soll ich hin?“
„Geh mit uns nach Bremen; du verstehst dich doch auf die Nachtmusik: da
kannst du Stadtmusikant werden.“
Die Katze hielt das für gut und ging mit. Darauf kamen die drei
Landesflüchtigen an einem Hof vorbei, da saß auf dem Tor der
Haushahn
und schrie aus Leibeskräften.
„Du schreist
einem durch Mark und Bein“, sprach der Esel, „was hast du
vor?“
„Da hab ich gut Wetter prophezeit“, sprach der Hahn, „weil unserer
lieben Frauen Tag ist, wo sie dem Christkindlein die Hemdchen gewaschen
hat und sie trocknen will. Aber weil morgen zum Sonntag Gäste
kommen,
so hat die Hausfrau doch kein Erbarmen und hat der Köchin gesagt,
sie solle mich morgen in der Suppe essen, und
da
soll ich mir heute den Kopf abschneiden lassen. Nun schrei ich aus
vollem Hals, solang ich noch kann.“
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Jacob und
Wilhelm Grimm
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„Ei was, du Rotkopf“, sagte der Esel, „zieh
lieber mit uns fort. Wir
gehen nach Bremen; etwas Besseres als den Tod findest du überall.
Du hast eine gute Stimme, und wenn wir zusammen musizieren, so muss es
eine Art haben.“
Der Hahn ließ sich den Vorschlag gefallen, und sie gingen alle
viere zusammen fort.
Sie konnten aber die Stadt Bremen in einem Tag nicht erreichen und
kamen abends in einen Wald, wo sie übernachten wollten. Der Esel
und der Hund legten sich unter einen großen Baum, die Katze und
der Hahn machten sich in die Äste, der Hahn aber flog bis in die
Spitze, wo es am sichersten für ihn war. Ehe er einschlief, sah er
sich noch einmal nach allen vier Winden um; da deuchte ihn, er
sähe in der Ferne ein Fünkchen brennen, und rief seinen
Gesellen zu, es müsste nicht gar weit ein Haus sein, denn es
scheine Licht.
Sprach der Esel: „So müssen wir uns aufmachen und noch hingehen,
denn hier ist die Herberge schlecht.“
Der Hund meinte, ein paar Knochen und etwas Fleisch dran täten ihm
auch gut. Also machten sie sich auf den Weg nach der Gegend, wo das
Licht war, und sahen es bald heller schimmern, und es ward immer
größer, bis sie vor ein hell erleuchtetes Räuberhaus
kamen.
Der Esel, als
der größte, näherte sich dem Fenster und
schaute hinein.
„Was siehst du, Grauschimmel?“ fragte der Hahn. „Was ich sehe?“
antwortete der Esel, „einen gedeckten Tisch mit schönem Essen und
Trinken, und Räuber sitzen daran und lassen’s sich wohl sein.“
„Das
wäre was für uns“, sprach der Hahn. „Ja, ja, ach
wären wir da!“ sagte der Esel.
Da ratschlagten die Tiere, wie sie es anfangen müssten, um die
Räuber hinauszujagen, und fanden endlich ein Mittel: Der Esel
musste sich mit den Vorderfüßen auf das Fenster stellen, der
Hund auf des Esels Rücken springen, die Katze auf den Hund
klettern, und endlich flog der Hahn hinauf und setzte sich der Katze
auf den Kopf.
Wie das geschehen war, fingen sie auf ein Zeichen insgesamt an, ihre
Musik zu machen: der Esel schrie, der Hund bellte, die Katze miaute und
der Hahn krähte.
Dann stürzten sie durch das Fenster in die Stube hinein, dass die
Scheiben klirrten.
Die Räuber
fuhren bei dem entsetzlichen Schrei in die Höhe,
meinten nicht anders, als ein Gespenst käme herein, und flohen in
größter Furcht in den Wald hinaus.
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Nun
setzten sich die vier Gesellen an den Tisch, nahmen mit dem
vorlieb, was übrig geblieben war, und aßen, als wenn sie
vier Wochen hungern sollten.
Wie die vier Spielleute fertig waren, löschten sie das Licht aus
und suchten sich eine Schlafstätte - jeder nach seiner Natur und
Bequemlichkeit: Der Esel legte sich auf den Mist, der Hund hinter die
Türe, die Katze auf den Herd bei der warmen Asche, und der Hahn
setzte sich auf den Hahnenbalken; und weil sie müde waren von
ihrem langen Weg, schliefen sie auch bald ein.
Als Mitternacht vorbei war und die Räuber von weitem sahen, dass
kein Licht mehr im Hause brannte, auch alles ruhig schien, sprach der
Hauptmann: „Wir hätten uns doch nicht sollen ins Bockshorn jagen
lassen“, und hieß einen hingehen und das Haus untersuchen.
Der Abgeschickte fand alles still, ging in die Küche, ein Licht
anzuzünden, und weil er die glühenden, feurigen Augen der
Katze für lebendige Kohlen ansah, hielt er ein
Schwefelhölzchen daran, dass es Feuer fangen sollte. Aber die
Katze verstand keinen Spaß, sprang ihm ins Gesicht, spie und
kratzte. Da erschrak er gewaltig, lief und wollte zur Hintertüre
hinaus; aber der Hund, der da lag, sprang auf und biss ihn ins Bein;
und als er über den Hof an dem Miste vorbei rannte, gab ihm der
Esel noch einen tüchtigen Schlag mit dem Hinterfuß. Der Hahn
aber, der vom Lärmen aus dem Schlaf geweckt und munter geworden
war, rief vom Balken herab: „Kikeriki!“
Da lief der Räuber, was er konnte, zu seinem Hauptmann zurück
und sprach: „Ach, in dem Haus sitzt eine gräuliche Hexe, die hat
mich angehaucht und mit ihren langen Fingern mir das Gesicht zerkratzt.
Und vor der Türe steht ein Mann mit einem Messer, der hat mich ins
Bein gestochen, und auf dem Hof liegt ein schwarzes Ungeheuer, das hat
mit einer Holzkeule auf mich losgeschlagen, und oben auf dem Dache, da
sitzt der Richter, der rief: Bringt mir den Schelm her. Da machte ich,
dass ich fortkam.“
Von nun an getrauten sich die Räuber nicht weiter in das Haus. Den
vier Bremer Musikanten gefiel’s aber so wohl darin, dass sie nicht
wieder heraus wollten.
Und der das zuletzt erzählt hat, dem ist der Mund noch warm.
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Dichtertreffen
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