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Till Eulenspiegel trifft Münchhausen. Später noch einen.
© Von Helmut W. Brinks


Münchhausen: Hallo, Bruder Gaukler. Du kommst mir bekannt vor.

Till: Du mir nicht. Was bist du für einer und wo kommst du her?

Münchhausen: Ich bin nur ein Phantom. Mich gibt’s eigentlich gar nicht. Ich habe mich selbst erfunden.

Till: Das wiederum kommt mir bekannt vor. Ich bin auch nur ein Erfundener. Wahrscheinlich jedenfalls. Aber die Leute lieben mich. Kommst du von Norden oder von oben?

Münchhausen: Auch mich lieben sie, obwohl es mich gar nicht gibt. Ich bin übrigens ein Niedersachse.

Till: Du, das bin ich auch: ein niederer Sachse. Von der Asse bin ich weg.

Münchhausen: Iiiih. Da ist deine Vergangenheit ja schon belastet.

Till: Da weißt du mehr als ich. Den Ernst nimmt hier keiner ernst. Vielleicht, weil man sonst nicht weiterleben könnte, jedenfalls nicht in Ruhe. Ich bin nur ein Spaßmacher. Einer mit ein bisschen viel Schadenfreude. Und du? Bist du ein Hochstabler?

Münchhausen: Ein wenig vielleicht. Eigentlich mehr den anderen zuliebe.

Till: Also wegen der Weiber?

Münchhausen: Darauf bin ich noch gar nicht gekommen; daran könnte was dran sein. Wer ist der denn?

Till: Sieht aus wie ein Mönch. Sei gegrüßt, Bruder. Hast du einen starken Spruch auf den Lippen?

Mönch: Ja sicher, Gott zum Gruß, liebe Brüder. Aber es ist eine tiefe Weisheit …

Till: Eine theologische?

Mönch: Nein, eher eine politische…

Die beiden anderen: Iiiih




Till: Nun sag`s schon, wenn du was herausgefunden hast.

Mönch: Hab ich. Dies Weltgeheimnis nämlich: Aus jedem Scheiß kann noch Mist werden.

Münchhausen: Einleuchtend. Hast du das schon den anderen gesagt?

Mönch: Einigen. Einige wussten es schon. Wohin geht ihr? Darf ich mit euch gehen?

Till: Wir gehen ins nahe Städtchen. Da soll ein Fest sein oder sowas.

Mönch: Gibt’s da was zu schmausen? Ich habe einen teuflischen Hunger und einen Durst wie ein …

Till: Wie ein Mönch?

Mönch: Getroffen. Also ich bin der Blasius.

Münchhausen: Auch selbst erfunden – wie wir?

Mönch: Wie bist du darauf gekommen, das hat doch bis jetzt noch keiner
gemerkt …

Till: Das merken sie immer erst, wenn es zu spät ist. Kommst Du mit in eine pikfeine Wirtschaft?

Mönch: Wenn Ihr mich einladet, sehr gern, Aber Ihr seht auch gerade pleite
aus …

Münchhausen: Aber wir haben Fantasie. Pass auf: Wir denken uns eine Geschichte aus, die den Wirtsleuten so gefällt, dass sie uns einladen und verwöhnen.

Till: Guter Trick. Ich bin dabei. Und was spielen wir?

Münchhausen: Also wir gehen ins Gasthaus und bestellen uns etwas sehr Gutes und Teures. Und vorab etwas Brot und Butter.

Blasius: Wunderbar. Und dann?

Münchhausen: Dann erstickt Till an dem Brot. Er reißt den Tisch um und fällt röchelnd zu Boden.

Blasius: Schreck, lass nach. Musst du sterben, Bruder?

Münchhausen: Den Rest lasst mich machen. Wichtig ist: Mit Wasser ist dir nicht zu helfen. Wir brauchen Wein, den allerbesten.

Till: Schön, ich freu mich drauf. Aber wie kommen wir an Braten und Gemüse?

Blasius: Ich weiß es: Till muss kotzen. Wir schreien, dass er vergiftet wurde.

Münchhausen: Wir schreien: Holt schnell einen Arzt und die Polizei!

Blasius: Genau. Der Rest ist ein Kinderspiel.

Till: Aber wann kann ich wieder essen?

Münchhausen: Du musst dich erst langsam dran gewöhnen.

Till: Bis dahin habt ihr mir alles aufgefuttert.

Münchhausen: Ja, gut möglich. Aber dann wirst du schnell gesund. Nur …

Till: Nur was?

Münchhausen: Zum Weitergehen wirst du zu schwach sein. Du wirst über Nacht bleiben müssen.

Blasius: Wir natürlich auch. Wenn der Wirt uns darum bittet.

Münchhausen: Wir werden seine Ehrengäste sein.

Till: Wer weiß: Vielleicht will er uns auch anderen Gästen zeigen.

Blasius: Nicht ganz umsonst natürlich …

Nach einigen Tagen nahmen die drei Abschied.

Münchhausen: Ich würde euch gerne wiedersehen. Können wir nicht ein Datum ausmachen?

Blasius: Wie wär`s mit: Bei der Silberhochzeit des Englischen Königspaares? Mittwochs zur Teezeit?

Till: Sind wir wieder Ehrengäste?

Münchhausen: Was sonst!. Aber gib uns noch eine Narrenweisheit mit, Till!

Till: Gut. Ich hörte eine von einem altgedienten Henker. Er hat damit manchen getröstet.

Blasius: Womit, Bruder Till?

Till: Er sagte seinen Schützlingen beruhigend: Macht euch nicht in die Bux. Die erste Nacht am Galgen ist immer die schlimmste. Danach wird’s besser.

Münchhausen: In diesem Sinne … Lebt wohl, Brüder ….

(Diese Geschichte soll Sie, liebe Leserin, lieber Leser, anregen, sich weitere Till-Eulenspiegel-Geschichten auszudenken. Ich habe nämlich keine Zeit für sie und Sie haben vielleicht gute Einfälle.

Ich hatte mir für den Anfang diese Themen vorgestellt; Sie kommen noch auf ganz andere:

Unmögliche Geschichten des Till und seiner Freunde

Till wird für fünf Tage König
Till wird Bank-Chef
Till liebt Frauen mit grünen Haaren
Till in Amerika
Till räumt in der Regierung auf.
Till in Paris
Till erfindet einen Mode-Gag
Till wird verzaubert
Till fliegt
Till im Harem
Till will Prinz Karneval werden. In Shanghai.
Till lässt das Endlager Asse räumen und nach Berlin bringen
Till lässt einen riesigen Bahnhof bauen. Aber auf dem Mond.
Till siegt bei der Olympiade. Wenn auch nicht wie die anderen…