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Thilde
am Telefon - Silke. Ein
Drei-Minuten-Hörspiel von © Helmut W. Brinks. (Aus Sparsamkeit: Lesen statt hören.)
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Frauen telefonieren. Orchestermusik. Thilde schlüpft am Telefon gern in
eine andere Rolle ...
Thilde mit sehr verstellter,
zittriger Stimme: Hexe Kauka, mitten im Wald. Brauchst du Nachschub?
Silke:
Hallo Thilde, klar brauch ich Nachschub, oder vielmehr der Kerl an
meiner Seite.
Thilde: Hallo, Silke! Macht er Ärger,
nimm dir `n Neuen.
Silke: Als wenn das so einfach
wäre! Meistens ist der nächste noch weniger wert.
Thilde:
Ja, es ist wie Lotto spielen: Meistens haste kein Glück. Was macht er
denn?
Silke: Er duscht dreimal am Tag, nimmt
Herrenparfüm, zieht abends neue Socken und neue Unterwäsche an …
Silke:
Die Symptome sind eindeutig: er geht fremd.
Silke:
Genau mein Verdacht. Was soll ich machen? Weißt du ein Mittel?
Thilde:
Manchmal hilft Konkurrenz.
Silke: Wie meinst du das?
Thilde:
Na ja, es ist riskant, aber zuweilen hilft es, den Mann eifersüchtig zu
machen.
Silke: Er soll mich mit einem anderen Mann
auf der Couch erwischen? Meinst du so was?
Thilde:
Nein, das reizt ihn vielleicht nur zum Mord. Wie wär´s mit einer
Freundin?
Silke: Er hat doch eine! Das ist ja das
Problem!
| |  |  Thilde: Du sollst ihn eifersüchtig
machen mit einer Frau, die dich begehrenswert findet.
Silke:
Du, ich bin seit drei Jahren neununddreißig und voll ausgewachsen. Soll
ich jetzt noch lesbisch werden?
Thilde: Nein,
natürlich nicht. Wer keinen Sinn darin sieht, soll es lassen. Aber
spielen kannst du es doch.
Silke: Hm. Komischer
Gedanke. Wär ich nie drauf gekommen.
Thilde: Ich
vielleicht auch nicht, aber ich hab jetzt nur mal so gesponnen …
Silke:
Darüber muss ich erst mal schlafen. Das ist mir so was von fremd …
Thilde:
Apropos schlafen. Ist das vorbei?
Silke: Keine Spur.
Er kriegt ja nie genug. Aber die Kerle lieben wohl die Abwechslung.
Thilde:
Denk mal nach: Was macht die andere anders? Oder ist es nur der Reiz
des Neuen?
Silke: Dachte ich auch. Aber es geht
schon eine Weile und das wird mir brenzlig.
Thilde:
Dass es eine Frau ist, steht fest?
Silke: Was denn
sonst! Der ist doch nicht anders veranlagt. Das hätte ich gemerkt.
Thilde:
Also schon mal was Erfreuliches. Wann war euer letzter Urlaub?
Silke:
Vorigen Winter. Er hat sich beim Skifahren das Bein verstaucht und sehr
vor sich hin gelitten.
Thilde: War also nicht viel
mit Kissenschlachten und so?
Silke: Er ging am Stock und ich
musste ihn stützen. Er litt genussvoll.
Thilde: Wie
alle. Hunde sind ähnlich. Sie genießen es, wenn alle sagen: „Was hat
denn das arme Hundchen an der Pfote?“
Silke: Ja,
Mitleid futtern sie wie Pralinen.
Thilde: Könnt ihr
euch dieses Jahr nicht eine Liebesinsel gönnen?
Silke:
Er hält sich für unentbehrlich im Geschäft. Kann auch `ne Ausrede sein.
Thilde:
Ist gut möglich. Und wenn du eine Reise zu zweit gewinnst?
Silke:
Ich gewinne nie was.
Thilde: Lässt sich aber so
darstellen. Kannst du sicher mit einem Reisebüro vereinbaren. Du mußt
natürlich alles bezahlen. Ist er dir 2000 Euro wert?
Silke:
Ja, sicher. Außerdem hätte ich ja auch was davon.
Thilde:
Versuch es doch. Aber nimm keine kalte Gegend, besser eine
regensichere. Was hält er von Griechenland?
Silke:
Er war schon öfter da. Hat ihm gut gefallen. Auch Kreta. Aber ich
vertrage keine große Hitze.
Thilde: April wäre gut.
Vorsommer, Orangen blühen und gleichzeitig reifen Früchte. Überall duften Rosen und
die Hotels sind noch nicht voll von Touristen. Gute Zeit für die Liebe,
Silke:
Aber er segelt gerne. Tauchen tut er auch gern.
Thilde:
Vor allem soll er dich entdecken. Du könntest dich ganz neu geben – zum
Beispiel als Raubkatze, als Hexe, als Zigeunerin …
Silke:
Kann man das spielen?
Thilde: Man nicht, aber Frau.
Vorbereitung ist alles. Sei eine ganz andere. In Allem: Frisur,
Kleidung, Temperament, Fantasie, Essen, Trinken, Abenteuer – fehlt
nicht noch was?
Silke: Schon kapiert: Ich soll die
Unersättliche spielen. Und wenn das alles nicht hilft?
Thilde:
Dann ist das alles keine schlechte Vorübung für deinen Nächsten.
Silke:
Was ich nicht begreife, Thilde, warum ist er so?
Thilde:
Vielleicht will das die Natur. Warum streunen Kater nachts?
Silke:
Sind Männer wie Kater?
Thilde: Daran müssen wir uns
gewöhnen, Silke! Aber es gibt einen Trost.
Silke:
Was soll uns trösten?
Thilde: Die Kater machen
nachts nicht auf andere Kater Jagd. Sie finden merkwürdigerweise immer
Katzen, die nachts eben nicht zuhause in der Sofaecke geblieben sind.
Silke:
Warum ist das so? Wie sind wir wirklich?
Thilde: Ich
hab so eine Vermutung. Aber frag lieber einen Naturforscher.
Silke:
Lieber nicht.
Thilde: Wieso nicht?
Silke:
Meiner ist Biologe.
Thilde: Soll er dich mehr
erforschen, Silke. Mach es ihm schmackhaft.
Silke:
Ich versuche es. Und wenn er nicht mitfahren will?
Thilde:
Unwahrscheinlich. Aber in dem Fall fällt uns auch sicher was ein.
Silke: O.K. Ich sag dir Bescheid.
Adios, Thilde.
Thilde: Viel Glück, Silke. Und schick
mir eine Karte aus Kreta!
Silke: Mach ich. Ganz
bestimmt.
Thilde: Warte mal, wie heißt er eigentlich?
Silke:
Jochen. Aber alle sagen Blacky. Ich auch.
Thilde:
Jochen Bräuner?
Silke: Ja. Was, du kennst ihn?
Thilde:
Nur vom Hörensagen. Silke: Na, erzähl schnell: Hast du was
Schlimmes gehört?
Thilde: Hast du mal was Gutes von
Männern gehört?
Silke: Thilde, sag´s mir jetzt:
Weißt du was über Jochen Bräuner?
Thilde: Ach Silke,
das mit der Liebesreise war doch keine so gute Idee.
Silke:
Wieso auf einmal. Du weißt doch was, was ich wissen müsste ...
Thilde:
Nein. Nicht wirklich. Wir machen doch alle unsere Fehler lieber selber.
Silke:
Aber jetzt würde es mir doch helfen, Thilde. Sags mir!
Thilde:
Lass ihn gehen!
Silke: Aber ich liebe ihn doch!
Thilde:
Ja, das hab ich befürchtet.
Silke: Also was soll ich
tun? Hilf mir doch!
Thilde: Dir ist nicht zu helfen.
Silke:
Verdammt noch mal, wieso nicht? Wenn ich mehr wüsste …
Thilde:
Das würde nichts ändern, Silke! Er ist dein Lover. Und Liebe bringt
Leid.
Silke: Amen. Damit steh ich wieder am Anfang.
Thilde:
Ja, Liebes. Vielleicht dreht es sich auch nur.
Silke:
Wie meinste das?
Thilde: Es ist ein Kreislauf, glaub
ich. Ohne Anfang, ohne Ende – und alles kommt nicht nur einmal vor. Wir
merken es nur nicht. Oder erst viel, viel später. Silke: Und
was hab ich davon?
Thilde: Ein klitzekleines Stückchen
Glück, Silke. Ist das nichts?
Silke: (Man hört nur
ihren Seufzer und wie sie durch die Nase ihren Schlusspunkt setzt.)
Musik.
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