Göttinger

Göttinger Literarische Gesellschaft

Literarische Gesellschaft e.V.

Home.
Startseite
Göttinger Almanache
Göttinger Lorbeerbäumchen
Till Eulenspiegel zu Ehren
Sprüche fürs Leben
Literarische Gedenktage
Aufmunterung durch Lichtenberg
Wilhelm Busch
Ringelnatz wird 125
Nelly Sachs und ihre Freunde
Verbrannte Bücher, verfolgte Autoren
Heine gegen Göttingen gegen Heine
Garten der Stille
Eine Viertelstunde zum Lesen ...
Literatur-Nobelpreise
Musen-Hain-Café - Medienservice
Alles über Münchhausen
Die Münchhausenwelt
Till trifft Münchhausen
Worte reif für den Müll
Aufzugsordnung
Thilde am Telefon - Anastasia
Thilde am Telefon - Silke
Thilde am Telefon - Marc + Holger
Thilde am Telefon - Jürgen
Literarische Links
Kooperationspartner + Förderer
Buchladen
Webseiten von unsereine(r)m
Wir über uns
Impressum und Kontakt



Thilde am Telefon - Marc und Holger.
Ein Drei-Minuten-Hörspiel von © Helmut W. Brinks.
(um Ihren Speicherplatz zu sparen können Sie es lesen statt hören.)


Thilde (sie spielt am Telefon immer ein bisschen Theater): Ja, hier ist das Wiedereintrittsbüro der Evangelischen Kirche, Susi Hankelberg. Sie sehen jetzt alles ganz anders?

Marc: Kann ich nicht sagen, hier ist Marc Sassenburg. Hallo Thilde.

Thilde: Hallo, Marc, schön, mal wieder von Dir zu hören. Was bist Du jetzt: Minister?

Marc: Erraten. Woher weißt Du das denn schon?

Thilde: Intuition! Ich hab es Dir zugetraut. Welches Ressort?

Marc: Justiz natürlich. Sonst kann ich ja nichts.

Thilde: Gratuliere! Juristen können meines Wissens alles. Du wirst keine Ausnahme sein.

Marc: Danke. Stimmt tatsächlich. Wir haben schon sechs im Kabinett.

Thilde: Und wie ist man auf Dich gekommen?

Marc: Ist mir auch schleierhaft. Dr. Schubert hat mich in der Sauna ausrufen lassen – wird ein Staatsgeheimnis sein, wie er mich da gefunden hat. Jedenfalls hat er dann am Telefon gesagt: Wir brauchen Dich, Marc, machst Du den Job?

Thilde: Und Du hast dann das Übliche gesagt.

Marc: Kannst Du das raten?

Thilde: Na klar: Du hast gesagt: Danke für die Ehre. Ich muss es aber erst mit meiner Frau besprechen.

Marc: Genau so war´s. Aber es hat nur 20 Minuten gedauert.




Thilde: Gut so. Und wann geht’s los?

Marc: Noch vor der Sommerpause. Sag mal: Du hast doch mal ein Büro
geleitet …

Thilde: Erinnere mich nicht daran! Es waren verlorene Jahre. Was hast Du im Sinn?

Marc: Ich brauche eine Frau, auf die ich mich verlassen kann.

Thilde: Du hast doch eine geheiratet.

Marc: Sicher, aber die brauch ich zuhause. Ich wollte Dich fragen …

Thilde: Sprich es ja nicht aus: Ich gehe nicht in die Politik.

Marc: Verlangt ja auch keiner. Aber vielleicht kannst Du Dir mal überlegen, ob ich es Dir schmackhaft machen kann, meine Mitarbeiterin zu werden – in herausgehobener Position natürlich.

Thilde: Willst Du ein schnelles Nein?

Marc: Bloß nicht! Könnt Ihr beide nicht gegen Ende der Woche nach Berlin kommen? Wir essen zusammen, Judith ist natürlich dabei. Sie hat mich übrigens an Dich erinnert.

Thilde: Ist ja toll. Was brauchst Du denn? Welche Fähigleiten? Welchen Stallgeruch?

Marc: Ich brauche jemand in meiner Nähe, zu dem ich volles Vertrauen haben kann. Das darf doch kein Fremder sein.

Thilde: Wieso ist das was für eine Frau?

Marc: Wieso nicht?

Thilde: Hast Du Dir denn Deine künftige Umgebung schon angesehen?

Marc: Hab ich. Und es ist mir klar geworden, dass ich neue Leute mitbringen muss.

Thilde: Ich kann´s mir nicht vorstellen, aber ein Essen in Berlin ist es allemal wert. Mit einem Tag ist das aber kaum getan.

Marc: Völlig klar. Wir bezahlen alles, Fahrt, Hotel, Nebenkosten: Ihr seid Gäste des Ministeriums.

Thilde: Donnerstag ist zu knapp. Geht’s auch Freitag?

Marc: O.K. Ich geb Euch noch durch, wo und wann wir uns treffen. Danke erst mal, Thilde. Ich freu mich sehr.

Thilde: Freu Dich nicht zu früh. Noch bin ich voller Skepsis.

Marc: Besprich das mit Deinem Mann, grüß ihn schön von mir und bring ihn ja mit!

Thilde: Und grüße bitte Judith. Ich freu mich, sie wiederzusehen.

Marc: Kennst Du sie denn? Wir sind doch noch keine vier Jahre zusammen.

Thilde: Ja, weiß ich. Oder besser: Mein Friseur wusste es. Judith kenn ich vom Tennis. Sie hat mich zweimal geschlagen.

Marc: Na, das ist doch eine wunderbare Grundlage. Entschuldige, hier ruft dauernd einer bei uns an. Tschüss erst mal. Ich melde mich wieder.

Thilde: Tschüss, Marco.

Musik

Thilde ruft ihren Mann an, sie schenkt sich ein Glas Wasser ein und trinkt gerade, als er sich im Büro meldet:
Holger: Ja, bitte …

Thilde: So kurz bist Du heute? Hör mal, bester Mann von allen, wenn Dich jemand für übermorgen nach Berlin einlädt, musst Du dann passen?

Holger: Für Freitag, ausgerechnet am dichtesten Tag? Wie kommst Du denn darauf? Ich guck mal schnell auf meinen Kalender …

Thilde: Wir beide sollen mit dem künftigen Justizminister irgendwo lecker essen gehen. Es ist unser alter Marc.

Holger: Marc Sassenburg? Kennt er mich denn? Hat er einen Job für mich?

Thilde zögert verblüfft: Ist zumindest nicht ausgeschlossen. Aber wir müssen uns schnell entscheiden. Erst mal, nur mit ihm essen zu gehen.

Holger: Wenn es nicht zu verschieben ist, kann ich mich vertreten lassen. Meinst Du, es lohnt?

Thilde: Weiß ich noch nicht. Verrückt und enorm abseitig ist es jedenfalls. Was haben wir zu verlieren?

Holger: Na ja, ich hab hier schließlich einen aussichtsreichen Posten …

Thilde: Das will alles bedacht sein. Vielleicht kann ich mich ja auch nützlich machen …

Holger: Wie kommst Du denn darauf? Du kannst doch hier nicht weg. Und überhaupt. Hat Sassenburg gesagt, dass er mich braucht?

Thilde: Er hat mehr mit mir gesprochen. Aber er will mit uns beiden reden. Und es eilt ihm.

Holger: Kein schlechtes Zeichen. Ist es sinnvoll, mit dem Auto nach Berlin zu fahren?

Thilde: Nee, die Bahn ist bequemer für uns; wir sind doch Staatsgäste, hat Marco gesagt.

Holger: Wieso Marco? Er heißt doch Marc.

Thilde: Klar, haben wir früher zu ihm gesagt.

Holger: Witzig. Kriegen wir die Einladung noch schriftlich?

Thilde: Bestimmt. Ich muss noch zum Friseur und was Neues zum Anziehen wäre auch ganz gut.

Holger: Ich könnte den Hellgrauen anziehen. Oder den Blauen. Bisschen eng, aber blau ist immer gut, meinst Du nicht?

Thilde: Klar. Und ein hellblaues Hemd dazu.

Holger: Aber meine beste Krawatte dazu hat einen Fleck seit letztem Sonntag.

Thilde: Zeit für ne Neue. Gehen wir heute Abend irgendwo essen?

Holger: Keine schlechte Idee. Ich kann Dich abholen.

Thilde: Wann gab es das mal! Wenn Du kurz nach fünf hier bist, können wir noch einen Einkaufsbummel machen.

Holger: Na gut, kurz nach fünf. Oder halb sechs.

Thilde: Also wie immer. Wenn Du um halb sechs nicht hier bist, geh ich schon mal vor. Zuerst zu „Marie Antoinette“. Tschüss.

Holger: Warte mal, wohin sollen wir denn essen gehen?

Thilde: Schreib ich Dir auf. Aber besser kommst Du etwas früher. Sie legt auf.

Holger: Warte mal

Sprecherin: Er merkt, dass sie schon aufgelegt hat. Genießerisch sagt er, langsam und irgendwie schaukelnd:

Holger: Rechte Hand eines Ministers – ist das was für mich? Und in Berlin?

(Pause)

Ich hatte mal ne Freundin in Berlin. Charlotte. War irgendwie immer kalt dort. Trotz Charlotte. Na ja, kann ja jetzt anders sein.

Sprecherin: Er geht um den Schreibtisch herum, holt vielleicht seine Jacke.

Holger: Aber billig kriegen die mich nicht, das steht fest
.
Musik.