 Göttinger |


|  Literarische
Gesellschaft e.V. |
 Thilde: Gut so. Und wann geht’s los?
Marc:
Noch vor der Sommerpause. Sag mal: Du hast doch mal ein Büro geleitet
…
Thilde: Erinnere mich nicht daran! Es waren
verlorene Jahre. Was hast Du im Sinn?
Marc: Ich
brauche eine Frau, auf die ich mich verlassen kann.
Thilde:
Du hast doch eine geheiratet.
Marc: Sicher, aber die
brauch ich zuhause. Ich wollte Dich fragen …
Thilde:
Sprich es ja nicht aus: Ich gehe nicht in die Politik.
Marc:
Verlangt ja auch keiner. Aber vielleicht kannst Du Dir mal überlegen,
ob ich es Dir schmackhaft machen kann, meine Mitarbeiterin zu werden –
in herausgehobener Position natürlich.
Thilde:
Willst Du ein schnelles Nein?
Marc: Bloß nicht!
Könnt Ihr beide nicht gegen Ende der Woche nach Berlin kommen? Wir
essen zusammen, Judith ist natürlich dabei. Sie hat mich übrigens an
Dich erinnert.
Thilde: Ist ja toll. Was brauchst Du
denn? Welche Fähigleiten? Welchen Stallgeruch?
Marc:
Ich brauche jemand in meiner Nähe, zu dem ich volles Vertrauen haben
kann. Das darf doch kein Fremder sein.
Thilde: Wieso
ist das was für eine Frau?
Marc: Wieso nicht?
Thilde:
Hast Du Dir denn Deine künftige Umgebung schon angesehen?
Marc:
Hab ich. Und es ist mir klar geworden, dass ich neue Leute mitbringen
muss.
Thilde: Ich kann´s mir nicht vorstellen, aber
ein Essen in Berlin ist es allemal wert. Mit einem Tag ist das aber
kaum getan.
Marc: Völlig klar. Wir bezahlen alles,
Fahrt, Hotel, Nebenkosten: Ihr seid Gäste des Ministeriums.
Thilde:
Donnerstag ist zu knapp. Geht’s auch Freitag?
Marc:
O.K. Ich geb Euch noch durch, wo und wann wir uns treffen. Danke erst
mal, Thilde. Ich freu mich sehr.
Thilde: Freu Dich
nicht zu früh. Noch bin ich voller Skepsis.
Marc:
Besprich das mit Deinem Mann, grüß ihn schön von mir und bring ihn ja
mit!
Thilde: Und grüße bitte Judith. Ich freu mich,
sie wiederzusehen.
Marc: Kennst Du sie denn? Wir
sind doch noch keine vier Jahre zusammen.
Thilde:
Ja, weiß ich. Oder besser: Mein Friseur wusste es. Judith kenn ich vom
Tennis. Sie hat mich zweimal geschlagen.
Marc: Na,
das ist doch eine wunderbare Grundlage. Entschuldige, hier ruft dauernd
einer bei uns an. Tschüss erst mal. Ich melde mich wieder.
Thilde:
Tschüss, Marco.
Musik
Thilde ruft
ihren Mann an, sie schenkt sich ein Glas Wasser ein und trinkt gerade,
als er sich im Büro meldet:
Holger: Ja, bitte …
Thilde: So kurz bist Du heute?
Hör mal, bester Mann von allen, wenn Dich jemand für übermorgen nach
Berlin einlädt, musst Du dann passen?
Holger: Für
Freitag, ausgerechnet am dichtesten Tag? Wie kommst Du denn darauf? Ich
guck mal schnell auf meinen Kalender …
Thilde: Wir
beide sollen mit dem künftigen Justizminister irgendwo lecker essen
gehen. Es ist unser alter Marc.
Holger: Marc
Sassenburg? Kennt er mich denn? Hat er einen Job für mich?
Thilde
zögert verblüfft: Ist zumindest nicht ausgeschlossen. Aber wir müssen
uns schnell entscheiden. Erst mal, nur mit ihm essen zu gehen.
Holger:
Wenn es nicht zu verschieben ist, kann ich mich vertreten lassen.
Meinst Du, es lohnt?
Thilde: Weiß ich noch nicht.
Verrückt und enorm abseitig ist es jedenfalls. Was haben wir zu
verlieren?
Holger: Na ja, ich hab hier schließlich
einen aussichtsreichen Posten …
Thilde: Das will
alles bedacht sein. Vielleicht kann ich mich ja auch nützlich machen …
Holger:
Wie kommst Du denn darauf? Du kannst doch hier nicht weg. Und
überhaupt. Hat Sassenburg gesagt, dass er mich braucht?
Thilde:
Er hat mehr mit mir gesprochen. Aber er will mit uns beiden reden. Und
es eilt ihm.
Holger: Kein schlechtes Zeichen. Ist es
sinnvoll, mit dem Auto nach Berlin zu fahren?
Thilde: Nee, die Bahn ist bequemer
für uns; wir sind doch Staatsgäste, hat Marco gesagt.
Holger:
Wieso Marco? Er heißt doch Marc.
Thilde: Klar, haben
wir früher zu ihm gesagt.
Holger: Witzig. Kriegen
wir die Einladung noch schriftlich?
Thilde:
Bestimmt. Ich muss noch zum Friseur und was Neues zum Anziehen wäre
auch ganz gut.
Holger: Ich könnte den Hellgrauen
anziehen. Oder den Blauen. Bisschen eng, aber blau ist immer gut,
meinst Du nicht?
Thilde: Klar. Und ein hellblaues
Hemd dazu.
Holger: Aber meine beste Krawatte dazu
hat einen Fleck seit letztem Sonntag.
Thilde: Zeit
für ne Neue. Gehen wir heute Abend irgendwo essen?
Holger:
Keine schlechte Idee. Ich kann Dich abholen.
Thilde:
Wann gab es das mal! Wenn Du kurz nach fünf hier bist, können wir noch
einen Einkaufsbummel machen.
Holger: Na gut, kurz
nach fünf. Oder halb sechs.
Thilde: Also wie immer.
Wenn Du um halb sechs nicht hier bist, geh ich schon mal vor. Zuerst zu
„Marie Antoinette“. Tschüss.
Holger: Warte mal,
wohin sollen wir denn essen gehen?
Thilde: Schreib
ich Dir auf. Aber besser kommst Du etwas früher. Sie legt auf.
Holger:
Warte mal
Sprecherin: Er merkt, dass sie schon
aufgelegt hat. Genießerisch sagt er, langsam und irgendwie schaukelnd:
Holger:
Rechte Hand eines Ministers – ist das was für mich? Und in Berlin?
(Pause)
Ich
hatte mal ne Freundin in Berlin. Charlotte. War irgendwie immer kalt
dort. Trotz Charlotte. Na ja, kann ja jetzt anders sein.
Sprecherin:
Er geht um den Schreibtisch herum, holt vielleicht seine Jacke.
Holger:
Aber billig kriegen die mich nicht, das steht fest . Musik.
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