Mit einem halben
Literaturnobelpreis ist 1966 Nelly Sachs geehrt worden, die als nach
Schweden exilierte Jüdin immer in der deutschen Sprache
gelebt und
gedichtet hat. Sie hat viele nordische Autorinnen und Autoren
gefördert, besonders durch Übersetzungen ihrer Werke ins
Deutsche.

Nelly Sachs gehörte zu den Schriftstellern, deren Leben und
Schaffen von den seit 1933 und bis 1945 regierenden deutschen
Nationalsozialisten unter Adolf Hitler existentiell körperlich und
seelisch beschädigt worden sind. Sie hat ihr eigenes lierarisches
Schaffen nicht für besonders preiswürdig eingeschätzt
und war nur bereit, sich stellvertretend für die vielen anderen
ausgegrenzten Kolleginnen und Kollegen ehren zu lassen.
Viele dieser Dichterinnen und Dichter haben das Jahr der hohen Ehrung
von Nelly Sachs (die sie zusammen mit einem israelischen Autor bekam)
nicht mehr erlebt. Die Literaturkritiker hatten damals eher mit der
Auszeichnung von Rose Ausländer, Hilde Domin oder Mascha
Kaléko gerechnet. Posthume Verleihungen hat das schwedische
Auswahl-Komitee bisher vermieden – sonst wäre deutlicher geworden,
dass sehr viele deutschsprachige Autoren jüdischer Herkunft sind –
und dass sie (wie unwahrscheinlich viele andere Künstler und
Wissenschaftler) nur wegen dieser Abstammung von den Nazis
geächtet, aus dem Land getrieben und sogar umgebracht worden sind
– wie der Friedensnobelpreisträger Carl von Ossietzky, den wir als
Publizisten zu den Literaten zählen dürfen.
Wir fühlen uns als Literarische Gesellschaft verpflichtet, mit
unseren beschränkten Möglichkeiten die tragisch betroffenen
Dichterinnen und Dichter mit ihren Werken vor dem Vergessenwerden zu
bewahren.
In unseren literarischen Programmen sind Verse und Lieder von Heinrich
Heine, Else Lasker-Schüler, Mascha Kaléko,
Gertrud Kolmar,
Paula Ludig, Anna Seghers, Rose Ausländer, Bertolt Brecht, Erika
Mann, Ernst Mühsam, Kurt Schwitters, Irmgard Keun, Hilde Domin,
Paul Celan, Kurt Tucholsky, Jakob von Hoddis und Selma
Meerbaum-Eisinger fast immer dabei.