Wurde Heinrich Heine vergiftet? Wenn ja, von
wem?
Das Düsseldorfer
Heinrich-Heine-Institut hat 1997 eine Locke von
Heinrich Heine (die aus dem Nachlass von Heines Ehefrau "Mathilde"
stammen soll), gerichtsmedizinisch untersuchen lassen.
Das Ergebnis: Statt der erwarteten / erhofften Hinweise auf
Erbgutschäden und auf Belege für die allgemein vermuteten
Folgen einer "Liebeskrankheit" stellte der Göttinger
Gerichtsmediziner PD Dr. Dr. Harald Kijewski eine hochgradige
Bleivergiftung fest. Weil
die Herkunft der Heine zugeschriebenen Locke nicht völlig
eindeutig war (und weil viele Heine-Forscher entsetzt über die
Diagnose waren), wurde zusätzlich ein Haar aus Heines Totenmaske
zur Untersuchung freigegeben.
Das Ergebnis des erfahrenen Toxikologen Kijewski deckte sich mit dem
seiner Erstuntersuchung. Ein neues Zeiss-Mikroskop ermöglichte
diese von niemand erwarteten Hinweise.
Was ist daraus zu schließen? Wer kann Heine vergiftet haben?
Übereifrige Mitarbeiter des deutsch-österreichischen
Geheimdienstes? Heines geliebte und verwöhnte Ehefrau, für
deren Lebenssicherung nach seinem bald erwarteten Tod sich Heine bis
zuletzt sehr und erfolgreich bemühte? War Eifersucht im Spiel?
Oder Rache der Erben von Salomon Heine? Oder die grausam-ironische
Antwort einiger Menschen, die der oft angriffslustige Heine einmal
„angegiftet“ hatte?
Eine rationale Erklärung ist nicht in Sicht. Die Rechtsgeschichte
kennt viele Beispiele von Affekthandlungen - sogar unter einander innig
verbundenen Menschen...
Hatte Heine selbst einen Verdacht? Ist die Antwort vielleicht in seinen
Versen verborgen – etwa hier?
Sie haben mich
gequälet,
Geärgert blau und blass.
Die einen mit ihrer Liebe.
Die andern mit ihrem Hass.
Sie haben das Brot mir vergiftet,
Sie gossen mir Gift ins Glas,
Die einen mit ihrer Liebe,
Die andern mit ihrem Hass.
Doch sie, die mich am meisten
Gequält, geärgert, betrübt.
Die hat mich nie gehasset
Und hat mich nie geliebt.
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