Göttinger

Göttinger Literarische Gesellschaft

Literarische Gesellschaft e.V.

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Reisegesellschaft:
Nicht alles sagt er der Wahrheit entspechend…

Begegnungen:
Die beschriebenen:
Die Schuljungen am Ortsausgang von Göttingen
Die Mägde auf dem Weg nach Braunschweig
Den Schneidergesellen – der keiner war: Droop
Gäste im Northeimer Gasthaus
Prof. Bouterwek in Clausthal
Ein Mädchen in Goslar
Ein Bergmann
Verwandter des Bergmanns
Hirte
Brockenwirt
Bettnachbar im Brockenhaus
Frau auf dem Brocken
Mann auf dem Brocken
Göttinger und Hallenser Studenten
….
Mädchengesichter in Ilsenburg


Die nicht (in der Harzreise) beschriebenen:
- Adolf Müllner in Weißenfels
- Johann Wolfgang von Goethe in Weimar
- August von Haxthausen, Ludwig Emil Grimm
  und Heinrich Straube in Kassel

„Zusammengewürfeltes Lappenwerk“:
Einige Orte und Gebiete kannte er von
früheren Reisen:
Fest steht: Er startete in Göttingen und kam hierhin zurück, wahrscheinlich nach 28 Tagen.
Wahrscheinlich war Heines letzte Wohnung
vor der Harzreise in der Allee 10
(heute Goethe-Allee 16).
Den Besuch bei Goethe hatte er möglicherweise erst auf dem Brocken geplant. Er konnte vorher nicht abschätzen, ob er die Fußwanderung durchhalten könnte. Dafür spricht auch, dass er erst am Ziel, in Weimar, und somit zu allerletzt,
die Besuchsbitte an Goethe richtet.
Vorgänger einer Reise zu Goethe waren…
- Eckermann
- Kommilitone Wedekind
- …

Rekonstruktion der Harzreise-Route Heines
im Jahr 1824 - II
(vorläufiger Entwurf) © Helmut W. Brinks, 2007


Harz


Über die Route haben wir nur wenige Angaben von Heine und von Zeitgenossen. Beschrieben hat er ausführlich nur den Streckenteil bis kurz nach dem Abstieg vom Brocken. Er hatte vermutbar drei Reiseziele: den Brocken, den Harz, Halle, Goethe in Weimar, die Wartburg und die Rückkehr über Kassel
(dort hatte er schon mehrmals Jacob und Wilhelm Grimm verpasst).
Denkbar sind weitere Höhepunkte auf der Rückreise, über die er in seinem Reisebericht nichts erwähnt, wohl aber in seinen späteren Werken, so einen Abstecher in das Kyffhäuser-Gebirge.
Es ging ihm auf allen seinen Reisen nie um ein schnelles, direkt angesteuertes Ziel; er ließ sich inspirieren, ablenken, und sah Vorteile, nicht unbedingt die „direttissima“ zu wählen.

In seiner „Harzreise“ beschreibt er es nach einer Wegverfehlung hinter Goslar:
„Ich mochte mich wohl verirrt haben. Man schlägt immer Seitenwege und Fußsteige ein, und glaubt dadurch näher zum Ziele zu gelangen. Wie im Leben überhaupt, geht´s uns auch auf dem Harze.“ (III,42)
Zu seiner Reisevorbereitung gehörten der Reiseführer von Friedrich Gottschalck und eine dazugehörige Karte des Harzes, wahrscheinlich noch weitere Karten, etwa für die Strecken Jena-Weimar-Erfurt-Eisenach.

Seine Ausrüstung beschreibt er selbst: 2 Paar Wanderstiefel, Rucksack,
2 Pistolen, Friedrich Gottschalks Reiseführer. Vermutbar: Mütze, Hemden, wollene Weste, Unterwäsche, Strümpfe, ein Messer, Wanderstock. Zeitungen zum Ausstopfen der oft nassen Schuhe.
Ist er alle Wege zu Fuß gegangen? Wahrscheinlich, aber doch ohne jeden Zwang und deshalb sind Teilstrecken mit der Schnellpost denkbar,
z.B. Sangerhausen-Eisleben-Halle, Hessisch Lichtenau-Kassel und Kassel-Göttingen.








Die bisherige Heineforschung geht von einem Beginn der Harzreise in der zweiten Septemberwoche 1824 aus und von einer Rückkehr nach Göttingen in der zweiten Oktoberwoche. Zeit hatte der Student: Die Semesterferien dauerten von Mitte Juli bis zum 18. Oktober.

Heine hat Friedrich Gottschalcks „Taschenbuch für Reisende in den Harz“ in der 2. Auflage von 1817 mit der beigefügten Karte vom Harz benutzt. Weil es eine erneuerte 3. Auflage von 1823 gab, die gewiss in den Göttinger Buchhandlungen erhältlich war, ist anzunehmen, dass Heine sein älteres Exemplar schon länger besaß und sich womöglich einige Stellen angestrichen und mit Vermerken versehen hatte.

Er erwähnt einige Hinweise von Gottschalck, dem er offensichtlich ziemlich vertraut:

Weitere Stellen bei Gottschalck könnten ihn
inspiriert haben:
- Ruinen Goseck
- die Rothenburg
- der Kyffhäuser
- die Wartburg
Heines persönliche Situation im September 1824

- Bruder Maximilian war Anfang August einige Tage in G. gewesen. Erlebnisse in  
  Heiligenstadt und Bovenden hat M.H. später geschildert.

- Im August war er mit Freunden in Kassel, Begegnung (nur) mit L.E. Grimm

- Ende der Romanze mit Amalie Heine vor 3 Jahren; erfolglose Verehrung ihrer
  Schwestern; 1824 frisch verliebt?

- Gesundheitliche Probleme
  -- Kopfschmerzen
  -- Seit Febr. Infektion mit einer „Liebeskrankheit“

- Die mehrtägige Reise mit der Post durch den Harz nach Berlin war Heine seit seiner
  Hinreise vom 18.-20. März 1821 vertraut (bei der Rückreise kam er von Lüneburg).

- Am 31. März 1824 war er mit der Schnellpost über Harzgerode (Übernachtung dort) und
  Magdeburg (4 Tage Aufenthalt bei Immermann) nach Berlin gereist. Um den 5. Mai 1824
  fuhr er mit der Schnellpost von Berlin über Magdeburg, Stolberg und Harzgerode nach
  Göttingen zurück, wo er einige Tage nach dem Semesterbeginn ankam, vermutlich nach
  drei Tagen.

- Juristisches lastet…
- Schriftstellerische Arbeiten und Pläne (z.B. Anti-Faust)
- Berufliche Vorstellungen
- Religiöse Situation

Andere Fußwanderungen Heines:

- März 1820: Besuch des Klosters Nonnenwerth
  und des Rolandsecks

- Mai 1820: Rheinfahrten nach Godesberg,
  Rheintal-Wanderungen

- Sept. 1820 Umzugsreise zu Fuß von Bonn nach
  Göttingen mit Umwegen über Westfalen (Hagen,
  Unna, Hamm, Soest

- Sept. 1825 von Norderney kommend durch das
  Wesertal und Westfalen nach Lüneburg


Die Stadt Stolberg weist auf ihrer Internetseite auf die drei wichtigsten Prominenten ihrer Geschichte hin:
Thomas Müntzer ist um 1490 hier geboren, Luther hat 1525 in der Stadtkirche gegen Müntzer und die
Bauernaufstände gewettert (er konnte sie nicht aufhalten, aber Müntzer wurde vier Wochen später
hingerichtet). Heinrich Heine war hier mindestens zweimal, während seine Postkutsche die Pferde
wechselte. 1823 war Stolberg eine Station der neuen Postkutschenlinie Harzgerode-Aschersleben.
In den letzten Kriegsjahren des 2. Weltkriegs war eine Fabrik in Stolberg in ein Außenlager des KZ Dora
umgewandelt worden.
Wanderlieder Heines:

Wanderlied, Heimkehr Nr. 86
Lied, Heimkehr Nr. 47
Es fiel ein Reif in der Frühlingsnacht
Auf den Wolken thront der Mond …

Die von ihm sehr (überschätzten?) Poeme
in der „Harzreise“ …












Das Wesen des Frühlings erkennt man erst im Winter, und hinter dem Ofen dichtet man die besten Mailieder. Die Freiheitsliebe ist eine Kerkerblume.
(Heinrich Heine)
Fett gedruckt sind Heines Angaben in der HARZREISE, normal gedruckt die in seinem Nachlass gefundenen Ortsangaben; kursiv stehen hier die bisher nur angenommenen oder für möglich gehaltene Orte und Zeiten.

1. Tag Di., 14.09. Göttingen, Weende, Rauschenwasser, Nörten, Northeim,
Mittag im Gasthof „Sonne“, -Osterode
(Ü. im „Engl. Hof“) = 42 km
2. Tag Mi., 15.09. Lerbach, Clausthal (Ü. Clausthal “Goldene Krone“) = 12 km
3. Tag Do., 16.09. Clausthal und Zellerfeld. Eintrag im Bergwerkbesucherbuch.
Goslar = 19 km
4. Tag Fr., 17.09. Goslar (Ü.)
5. Tag Sa., 18.09. Oker-Stiefmutterklippen, Abirrung Ri. Harzburg. Auf dem Ausläufer des Spitzenberges zwischen den beiden Trogtälern stand damals ein Zechenhaus (Besuch, Ü.) = 18 km
6. Tag So., 19.09. Aufstieg zum Brocken (Ü. im Brockenhaus) = 12 km
7. Tag Mo., 20.09. Brocken (Ü.)
8. Tag Di., 21.09. Schneelöcher-Ilsetal-Ilsenburg (Gasthaus „Zu den Rothen Forellen“) -Wernigerode (Ü. „Zum Bären“) = 28 km
9. Tag Mi., 22.09. Elbingerode-Bielshöhle-Rübeland-Altenbrak /
Treseburg = 31 / 35 km
10. Tag Do., 23.09. Ballenstedt= 25 km
11. Tag Fr.,  24.09. Ballenst.-(südlich auf die Burg Anhalt zu:)Teilstück vom Selketal –Mägdesprung-
Alexisbad = 16 km
12. Tag Sa., 25.09. Silberhütte-Roßla = 30 km (4 Meilen)
13. Tag So., 26.09. Burg Kyffhausen-Rothenburg-Sangerhausen = 26 km
14. Tag Mo., 27.09. Eisleben- Querfurt-Halle (Ü.) 58 km (Fahrstrecke)
15. Tag Di.,  28.09. Halle. Merseburg-Weißenfels (Ü.) = 26 km
16. Tag Mi., 29.09. Ruinen Goseck, Naumburg = 18 km
17. Tag Do., 30.09. Jena = 34 km
18. Tag Fr.,  01.10. Weimar (Ü.) Brief an Goethe = 15 km
19. Tag Sa., 02.10. Weimar. Besuch bei Goethe


RÜCKREISE:
20. Tag So., 03.10. Hopfgarten, Azmannsdorf, Erfurt = 26 km
21. Tag Mo., 04.10. Erfurt. Gotha- = 26 km
22. Tag Di.,  05.10. Eisenach = 33 km
23. Tag Mi., 06.10. (Wartburg) - Creuzburg = 20 km
24. Tag Do., 07.10. Wehretal = 22 km
25. Tag Fr.,  08.10. Hess. Lichtenau. = 21 km
26. Tag Sa., 09.10. Fürstenhagen, Eschenstruth, Helsa, Kaufungen-Kassel = 33 km (Fahrstrecke)
27. Tag So., 10.10.
Kassel
28. Tag Mo., 11.10. Münden-Göttingen = 52 km (Fahrstrecke)
Unsicherheiten: • (Zu) lange Streckenabschnitte
• Warum auffallend kurzer Aufenthalt in Halle?
• Burgenbesuche

Gegen Ende seiner Göttinger Studentenzeit rang Harry Heine damit, den nicht gerade von ihm geliebten Glauben seiner Väter zu verlassen und dem staatlichen und gesellschaftlichem Druck und Drängen nachzugeben und sich christlich taufen zu lassen – erkennbar nur aus existentiellen Gründen:
Er beendete sein Jurastudium mit der Promotion in der Jurisprudenz „beider Rechte“ in der Hoffnung auf eine dieser Qualifikation entprechende Stelle in Hamburg.

Das Jura-Studium war ihm von Beginn an eine Qual gewesen, die er nur durch einige andere Studiengänge ertragen mochte; das Ende war für ihn sehr bedrückend und er befürchtete, dass seine Professoren ihm die Abschlussprüfung besonders schwer machen würden.

Heine wusste, dass es seit Urzeiten Menschenart war, Gegenstände zu verbrennen, die man symbolisch und zur Abschreckung für alle Zukunft abschaffen wollte. Er legte einer Gestalt in seinem während seiner Studentenzeit geschriebenem Trauerspiel diese nicht nur geschichtlich zurückblickenden Worte in den Mund: „Dort wo man Bücher verbrennt, verbrennt man am Ende auch Menschen.“

KZ-Außenlager gab es 120 Jahre später auf seiner Wegstrecke: in Göttingen, Weende, Nörten, Northeim, Osterode, Clausthal-Zellerfeld, Oker, Wernigerode, Sangerhausen, Berga, Stolberg, Halle, Merseburg, Naumburg, Jena, Weimar, Erfurt, Eisenach, Hessisch Lichtenau, Nordhausen, Kelbra, Roßla, Kassel.

Die sagenumwobene Gestalt des Kaisers Barbarossa (Friedrich I. -1122-1190 – er wurde so nach seinem roten Bart benannt) hat Heine jahrzehntelang beschäftigt. Es war bei seiner Wanderreise sogar geografisch nahe liegend, die Ursprungsgegend im Kyffhäusergebirge selbst zu erleben, als er sie von Rossla aus sehen konnte.).

Heine hatte sehr früh eine Vorliebe für Bäder. Er hat seinem befreundeten Ehepaar Varnhagen für eine Begegnung das neue Bad Alexisbad empfohlen, vermutbar nach einem eigenen Besuch. Die Varnhagens waren 1825 dort Kurgäste.

Heine Harzreise III Heinrich Heine Harzreise II