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Geschichten schreiben - wie können wir helfen?


(Antwortbrief nach einer Einsendung)

Liebe schreibende Kollegen,

für die Göttinger Literarische Gesellschaft bestätige ich dankend den Eingang Ihrer Einsendung(en). Wir haben sie anonymisiert und nummeriert und werden sie für die Almanache 1 und 5 von Menschen auswählen lassen, die gern und viel lesen (aber keine Berufs- „Fachleute“ sind). Wir selbst bewerten diesmal nicht.

Wir laden Autorinnen und Autoren aus dem deutschsprachigem Raum ein. Wenn es sich als machbar und sinnvoll erweist, sollen die Schreibenden aus dem Gebiet von Weser bis Harz und Ostfalen stärker vertreten sein. Aber: Es wird eine Vielfalt geben und es werden den Auswählenden und später den Lesern wohl auch einige herausragende Kurzprosa-Geschichten auffallen.

Die starke „Konkurrenz“ wird manche Einsender überraschen, aber wohl noch mehr die Einsicht, dass nicht jede(r) selbst festlegen sollte, was eine Kurzgeschichte ausmacht. Das halten wir nämlich für
längst und ziemlich einvernehmlich geschehen:

Eine Kurzgeschichte hat das Vorbild in der von amerikanischen Schriftstellern seit der Mitte des 19. Jahrhunderts geschriebenen „Shortstory“, die dann hundert Jahre und erschütternde Kriegserfahrungen später neue Formen entwickelte.

Deutschsprachige Schriftsteller haben es noch „schwerer“, weil sie den literarischen Hintergrund anderer Formen der Kurzprosa, etwa die Novelle, die Anekdote und die Skizze, die Satire, die Fabel…kennen.

Die deutsche Literaturwissenschaft sieht heute diese Kennzeichen der Kurzgeschichte –
und an diesen sechs Punkten sollten Sie Ihre schon geschriebene oder Ihre nächste Geschichte prüfen:

  • Kürze ist das äußere Merkmal dieser erzählerischen Prosa-Kleinform
  • Zusammengedrängter Inhalt
  • Wenige Figuren
  • Genaue Ausarbeitung eines Details
  • Beschränkung auf den Ausschnitt eines Alltagsgeschehens
  • Oft: Unerwartbarer Schluss (Pointe)
Der Inhalt ist meist:
  • Ein spektakuläres, „unglaubliches“ oder „einmaliges“ Ereignis,
  • Eine gefühlsmäßige Grunderfahrung, eine Krise, 
    ein schicksalhaftes Erlebnis.
Was Leser vermutbar von einer Kurzgeschichte erwarten:
  • Sie ist unterhaltsam
  • Sie lenkt mich von meinem Alltag ab
  • Ich lese sie gern
  • Sie spricht mein Gefühl an – oder meine Ablehnung
  • Ich kann die geschilderte Situation nachempfinden
  • Eine gekennzeichnete Person wird mir vertraut
  • Ich bin überrascht.
  • Die Geschichte überzeugt mich.


Sie haben in der Schule vielleicht gelernt, was eine Kurzgeschichte ist – aber wohl nicht, wie man eine schreibt. Wenn Sie ein Naturtalent sind, können Sie womöglich ohne großes Nachdenken auf Anhieb eine gute Geschichte schreiben. Das bezweifeln wir nicht – obwohl es äußerst selten unter uns vorkommt.

Rein vorsorglich wollen wir in Ihnen den Ehrgeiz wecken, noch bessere Geschichten zu schreiben. Nebenbei: was gut ist, was schlecht und was besser – sind das nicht Begriffe, die wir alle mit Vorsicht benutzen sollten? Wir können doch nur sagen, was wir so einschätzen - und nicht, was „man“ oder „frau“ so sieht und was allgemein so gilt.

Allerdings sollten wir öfter unsere Maßstäbe hinterfragen.
Denn sie ändern sich manchmal (auch zu unserm Glück)
im Laufe unseres Lebens…



Nach mehreren Anfragen richten wir noch in der Einsendezeit
ein virtuelles „Kreatives
Schreibseminar für Kurzprosa“ ein.

Auch unter diesem Aspekt: Die bereits bei uns eingesandten Geschichten können
bis zum 30. Juni 2008 geändert, ersetzt oder zurückgezogen werden.

Ich (Helmut W. Brinks) werde dieses Internet-Seminar leiten. Ich bin selbst seit Jahrzehnten ein Schreibender und habe einige Erfahrungen mit Kreativen Schreibseminaren, für deren Anleitung ich eigens mehrere Fortbildungen absolviert habe.

Jeder wird individuell gefördert und bekommt viele verwertbare Hilfen mit dem Ziel, sich demnächst auch mit einer Geschichte an irgendwo ausgeschriebenen und mit Preisen lockenden Kurzgeschichten-Wettbewerben beteiligen zu können.

Wir richten eine eigene Webseite ein und werden unter ihr später die Kurzgeschichten unserer Absolventen veröffentlichen – nicht nur zum kostenlosen Lesen, sondern auch zum Ankaufen von Verlagen, Zeitschrift- und Rundfunk-Redaktionen.

Jede(r) Schreibwillige, Dazulernbereite und Kritik-Aushaltende kann teilnehmen, aber nicht gratis: Ich leite das Seminar ehrenamtlich für unsere als „gemeinnützig und kulturell besonders wertvoll“ arbeitend anerkannte Literarische Gesellschaft.

Interessenten an dem etwa sechs Wochen dauernden Seminar bitte ich um eine Spende an die Göttinger Literarische Gesellschaft, Konto 97634, BLZ 260 500 01. Einige Volkshochschulen bieten vergleichbare Kurse für 106 - 184 Euro an;
das könnte ein Anhaltspunkt für Sie sein. Sie bekommen von uns eine Teilnahmebescheinigung und eine abzugsfähige Spendenbestätigung fürs Finanzamt.

Wer Kurzgeschichten schreiben will, sollte auch lesen,
welche schon geschrieben wurden – und wie.

Als (z.B. in jeder Stadtbücherei ausleihbare) Meister der
Kurzgeschichte in der deutschen Nachkriegs-Literatur gelten
die inzwischen nicht mehr lebenden Autoren Wolfgang Borchert,
Heinrich Böll, Marie Luise Kaschnitz, Elisabeth Langgässer
und Wolfdietrich Schnurre.

Dies soll eine erste Aufgabe für Sie sein:

Für eine neue Kurzgeschichte von Ihnen:
  • Schreibübung: Erfinden Sie eine Person, die in ein ganz besonderes Ereignis hineingerät.
  • Skizzieren Sie die Geschichte mit zehn bis fünfzehn Zeilen.
  • Mailen Sie uns diesen Entwurf: goelitges@web.de
Ich kommentiere (verstehen Sie bitte: nach Spendeneingang) Ihre Arbeit und stelle eine neue Aufgabe.

Herzlichen Gruß und alle guten Wünsche Ihr Helmut W. Brinks