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Gastautoren

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Unsere aktuelle Gastautorin

Barbara Amling, Mühlhausen mit Überlebensgeschichten:
"Oder sind wir alle verrückt?"


Angstmachendes
Bad moon rising (CCR)

„Wir Kinder, im Juli geboren, / Lieben den Duft des weißen Jasmin, / Wir wandern an blühenden Gärten hin / Still und in schwere Träume verloren. … …“ und „Wie eine Julinacht will unser Leben / Traumbeladen seinen Reigen vollenden…“

So hat uns Hermann Hesse (* 2. Juli) in Schutz genommen. Astrologen beschreiben uns im Zeichen Krebs Geborene schonungsloser
(z.B. V.-M. von Winter: Die Menschentypen, Frankfurt am Main 1966, S. 66 ff.):

„Der Frühling, die Kindheit, ist vorüber, und das volle erwachsene Leben mit allen Pflichten und Verantwortungen soll beginnen. Wir fürchten uns davor – es ist voller Gefahren, die wir nicht recht verstehen. Wir wollen zurück in die Kindheit, am liebsten gleich wieder zurück in den Mutterschoß, wo wir geschützt waren, wo niemand von uns Verantwortung forderte, zurück in die Sicherheit, die Wärme, die Geborgenheit.

Der Krebs-Typ hat etwas zugleich Kindliches und Mütterliches. Er ist empfindlich wie ein Kind, er ist leicht gerührt, er nimmt leicht übel und flieht dann in sein Heim, seine Burg, seine harte Schale, wo er sich wenigstens halbwegs sicher fühlen kann. Wie oft ist er besorgt! Wie oft ist er unnötig besorgt! Wie leicht wird er so zum „eingebildeten Kranken“, zum Hypochonder, zum Schwarzseher! Er kann es nicht glauben, das alles glatt gehen soll, irgendwo muss doch eine Gefahr lauern, und gerade, dass sie unsichtbar ist, macht sie doppelt gefährlich…“


Vilhelm Hammerskoi: Frau in weißer Bluse
Welche Chancen hatte eine wie ich denn? Gut, eine stattliche Zahl von weiblichen und männlichen Kreativen – Maler, Musiker, Schriftsteller, Schauspieler - haben in diesem Sternzeichen das Leben gemeistert, an meinem Geburtstag immerhin ein König und ein Kaiser und um wenige Stunden war ich nahe an Rockefeller und dem Grafen Zeppelin und nur lumpige fünf Tage nahe an Gina Lollobrigida. Wahr ist leider auch: nicht wenige dieser Bedeutenden sind gescheitert. Und Depressionen aller Schweregrade kannten die meisten aus bitteren Erfahrungen.

Es überwältigte mich, dass ich wieder in die Thüringer Cloud abgeschoben würde. Ich verdrängte die Vorzeichen, beruhigte mich langsam. Geduldig ertrug ich die Wirklichkeit und gestaltete mein Alltagsleben.

Ein Teil meiner Welt war zerstört; ich stellte Gegenstände auf den Kopf, handelte unkontrolliert. Andersdenkend, verdrehte ich mein Tun ins Sinnlose. Meine Nächsten verstanden mich nicht: „Yvonne, was ist nur mit Dir los?“

Ich fand den einschlägigen Test im Internet, klickte das unterstrichene Wortfeld an, las Ähnliches, wie in der Broschüre im Wartezimmer meiner Hausärztin, deren Titelbilder mich schreckten: Depressionen verstehen – bei der Bewältigung helfen. Eine zerrissene Perlenkette und ein Abfluss mit Stöpsel, in den sie einzeln hinein-zurollen drohten, warnten ...