Garten der Stille II

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L’infinito
Immer lieb war mir dieser einsame
Hügel und das Gehölz, das fast ringsum
Ausschließt vom fernen Ausruhn der Himmel
den Blick. Sitzend und schauend bild ich unendliche
Räume jenseits mir ein und mehr als
Menschliches Schweigen und Ruhe vom Grunde der Ruh.
Und über ein Kleines geht mein Herz ganz ohne
Furcht damit um. Und wenn in dem Buschwerk
Aufrauscht der Wind, so überkommt es mich, dass ich
Dieses Lautsein vergleiche mit jener endlosen Stillheit.
Und mir fällt das Ewige ein
Und daneben die alten Jahreszeiten und diese da seiende
Zeit,
die lebendige, tönende. Also Sinkt der Gedanke mir weg ins
Übermaß.
Untergehen in diesem Meer ist inniger Schiffbruch.
Giacomo Leopardi
(1798-1837) - (Ü.: Rainer Maria Rilke)
Die drei Spatzen
In einem leeren Haselstrauch
da sitzen drei Spatzen, Bauch an Bauch.
Der Erich rechts und links der Franz
und mittendrin der freche Hans.
Sie haben die Augen zu, ganz zu,
und obendrüber schneit es, hu!
Sie rücken zusammen, dicht an dicht.
So warm wie der Hans hats niemand nicht.
Sie hören alle drei ihres Herzens Gepoch.
Und wenn sie nicht
weg sind, so sitzen sie noch.
Christian Morgenstern
(1871-1914)
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Freund, so du etwas
bist,
so bleib doch ja nicht stehn.
Man muss aus einem Licht
fort in das andre gehn.
Angelus Silesius
(1624-1677)
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Das Krokodil
Im Heil‘gen Teich zu Singapur
da liegt ein altes Krokodil
von äußerst grämlicher Natur
und kaut an einem Lotosstiel.
Es ist ganz alt und völlig blind,
und wenn es einmal friert des Nachts,
so weint es wie ein kleines Kind,
doch wenn ein schöner Tag ist, lacht’s.
Hermann Lingg
(1820-1905)
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Dreifach duften alle Blüten,
Vierfach duften nur die gelben:
Duft der Süße, Duft der Freude,
Duft der jungen Frühlingstage,-
Welches ist der vierte Duft?
Duft der ungestandnen Liebe.
Janis Rainis (1865-1929)
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Der Tod, das ist die
kühle Nacht,
Das Leben ist der schwüle Tag.
Es dunkelt schon, mich schläfert,
Der Tag hat mich müd gemacht.
Über mein Bett erhebt sich ein Baum,
Drin singt die junge Nachtigall;
Sie singt von lauter Liebe,
Ich hör es sogar im Traum.
Heinrich Heine
(1797-1856)
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Im Meer des Lebens,
und auch im Meer des Sterbens
müde geworden,
sucht meine Seele den Berg,
an dem meine Flut verebbt.
Aufschrift auf einer
Koto-Zither
in der Buddha-Halle des Klosters
am Flussbett in Kawara-dera:
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Über die Heide hallet mein Schritt;
dumpf aus der Erde wandert es mit.
Herbst ist gekommen, Frühling ist weit -
gab es denn einmal selige Zeit?
Brauende Nebel geisten umher;
schwarz ist das Kraut und der Himmel
so leer.
Wär ich hier nur nicht gegangen im Mai -
Leben und Liebe - wie flog es vorbei!
Theodor Storm
(1817-1888)
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Pflanzt nicht nur Obstbäume und
Gemüse:
legt eurer Seele zuliebe eine Blumenwiese an
und ein duftendes, leuchtendes
Beet,
das euch
anhält,
Gott täglich für diese Wunder zu danken.
Franz von Assisi (1181-1228)
Aus seiner legendären Gartenanweisung
(© Ü.: Helmut W. Brinks)
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Halt an, wo läufst du hin,
der Himmel ist in dir:
Suchst du Gott anderswo,
du fehlst ihn für und für.
Angelus Silesius
(1624-1677) Der Himmel ist in dir
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Ohne Liebe zu sich
selbst ist auch die Nächstenliebe unmöglich.
Hermann Hesse (1877-1962)
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