Garten der Stille

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Chinesische
Weisheit:
Wenn Gräser und Blätter welken und vergehen,
halten sich Knospen und Triebe schon bereit.
Sie müssen noch einige Kälte ertragen,
aber nach den letzten Winterstürmen
kommt zuverlässig der Frühling.
S i e kennen das Urgeheimnis
vom Leben und Vergehen,
wir müssen es lernen.
© Ü. Helmut
W. Brinks
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Ein kleines Lied, wie
gehts nur an,
dass man so lieb es haben kann,
was liegt daran? Erzähle!
Es liegt darin ein wenig Klang,
ein wenig Wohllaut und Gesang
und eine ganze Seele.
Marie von
Ebner-Eschenbach (1830-1915)
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Schläft ein Lied
in allen Dingen,
die da träumen fort und fort,
und die Welt hebt an zu singen
triffst du nur das Zauberwort.
Joseph von
Eichendorff
(1788-1857)
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Mit tausend
Herrlichkeiten beglücken die Gärten in Farben und Formen.
Auch Tau und Regen und Bäche
sind alle nur Abbild von Ihm.
Maulana Dschalal-ad-Din
Rumi (1207-1273)
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(I) Das Blau der
Vergissmeinnicht
bedeckte wie ein Teppich
die Erde des Raumes,
und blau wölbte sich darüber
das Himmelsrund.
(II) Blau in der Bläue,
in die ich mich legte,
wie in eine schwebende Matte,
festgemacht
an den Enden der Welt,
als Wiege für die Stille.
(III) Die Stille
in den Blumen
hörst du sie
schwingen
in dir
atme sie
singe sie
sie ist
das Gebet der Schönheit.
Lies Pilgram (*1927)
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Gefunden
Ich ging im Walde
So für mich hin,
Und nichts zu suchen
Das war mein Sinn.
Im Schatten sah’ ich
Ein Blümlein stehn,
Wie Sterne leuchtend,
Wie Äuglein schön.
Ich wollt’ es brechen;
Da sagt’ es fein:
Soll ich zum Welken
Gebrochen sein?
Ich grub’s mit allen
Würzlein aus,
Zum Garten trug ich’s
Am hübschen Haus.
Und pflanzt es wieder
Am stillen Ort;
Nun zweigt es immer
Und blüht so fort.
Johann Wolfgang von
Goethe
(1749-1832)
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Der Einsiedler
Komm, Trost der Welt, du stille Nacht!
Wie steigst
du von den Bergen sacht,
Die
Lüfte alle schlafen.
Ein Schiffer
nur noch, wandermüd,
Singt
übers Meer sein Abendlied
Zu Gottes
Lob im Hafen.
Die Jahre wie die Wolken gehn
Und lassen mich hier einsam stehn,
Die Welt hat mich vergessen.
Da trat’st du wunderbar zu mir,
Wenn ich beim Waldesrauschen hier
Gedankenvoll gesessen.
O Trost der
Welt, du stille Nacht!
Der Tag hat
mich so müd gemacht,
Das weite
Meer schon dunkelt.
lass ausruhn
mich von Lust und Not,
Bis dass das
ewge Morgenrot
Den stillen
Wald durchfunkelt.
Joseph von
Eichendorff (1788-1857)
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Blaue Hortensie
So wie das letzte Grün in Farbentiegeln
sind diese Blätter trocken, stumpf und rauh,
hinter den Blütendolden, die ein Blau
nicht auf sich tragen, nur von Ferne spiegeln.
Sie spiegeln es verweint und ungenau,
als wollten sie es wiederum verlieren,
und wie in alten blauen Briefpapieren
ist Gelb in ihnen, Violett und Grau;
Verwaschnes wie an einer Kinderschürze,
Nichtmehrgetragenes, dem nichts mehr geschieht:
wie fühlt man eines kleinen Lebens Kürze.
Doch plötzlich scheint das Blau sich zu verneuen
in einer von den Dolden, und man sieht
ein rührend Blaues sich vor Grünem freuen.
Rainer Maria Rilke
(1875-1926)
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Tao te king, 16.
Spruch
Vollkommen leer sollen wir werden
und zur Ruhe kommen.
Sieh, wohin alles Lebende geht:
es kehrt wieder um.
Ewigen Gesetzen folgend geht alles
heim zum Ursprung, zur Heimat der Stille.
Erleuchtete wissen,
dass wir in die Ewigkeit zurückgehen.
Wer vom Ewigen nichts wissen will, schließt sich selbst aus.
Wer vom Ewigen weiß, wird langmütig,
lauter und gütig und handelt im Einklang mit dem Ewigen
und dem Weg.
Der Weg ist die Ewigkeit.
Sterben ist nicht das Ende.
Laotse (um 300 v.Chr.)
© Ü. Helmut W. Brinks
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Septembermorgen
Im Nebel ruhet noch die Welt,
Noch träumen Wald und Wiesen:
Bald siehst du, wenn der Schleier fällt,
Den blauen Himmel unverstellt,
Herbstkräftig die gedämpfte Welt
In warmem Golde fließen.
Eduard Mörike (1804-1875)
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Verbringe nicht die
Zeit
mit der Suche nach
einem Hindernis; vielleicht
ist keines da.
Franz Kafka
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Wolkengleich treibt
unser Herz dahin
und keiner weiß, wo Er es ankommen lässt.
Khwatscha Mir Dard (1721-1785)
© Ü.
Helmut W. Brinks
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